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Zappanale #19 - 2008Das Programm der Zappanale war umfangreich wie nie zuvor. Gegenüber der großen Hauptbühne gab es, in gehörigem Abstand, eine zweite kleine. Konzerte beider Bühnen wechselten sich pausenlos ab, was stete Musik versprach, auf die Dauer der drei Tage den Aufnahmespeicher jedoch über die Maßen füllte. Mehr oder weniger unsichtbare Helfer hielten das Festival am Summen, das grandiose Line-Up dieses Jahres versprach überaus gute Unterhaltung. Die Vorbereitung war nahezu perfekt, kleinere Missstände waren Anlass sofortigen Überdenkens. Das Team um Zappanale-Chef Wolfhard Kutz, Präsident Thomas Dippel und Merchandise-Boss Thomas Reinicke ist gut eingespielt und weiß neben allem Tun seinerseits Bands und Festivalatmosphäre zu genießen, wie es die nahezu 6.800 Gäste waren, die 2008 nach Bad Doberan pilgerten, der Person und der Musik Frank Zappas zu huldigen und sich genussvoll zu erbauen.
Der "Sun Camp" genannte große Zeltplatz war erstaunlich voll, das "Green Camp" nicht minder. Aus allen Herren Ländern kamen die Freaks zur Zappanale, und wieder einmal wurde nur der enttäuscht, der still und allein in seinem Garten saß und seine Gang vor der Zappanale-Bühne wusste. Wer nicht da war, konnte halt nicht genießen.
Das Wetter, als eher schlecht angekündigt, war perfekt, nicht zu heiß; immer von einem kühlen Lüftchen umweht, standen die versammelten Freaks in pausenlosem Sonnenschein vor der Bühne, während in den USA Erdbeben, Waldbrände, Stürme, Unwetter, Fluten und sengende Hitze vorherrschten. FZ hatte sich entspannt zum Mecklenburger Wettergott gesellt und die erzürnten Fäden über dem Haus seiner Familie losgelassen…
Die Festivalatmosphäre war durch die üblichen und mehr CD-, LP-, Met- und Futterstände ausgeprägt, die Steine, ja, die liegen immer noch vor der Bühne auf der Wiese, sind nicht in der Sonne zerbröselt. Dennoch, wer da war, konnte den grandiosen Konzertmarathon genießen. Und Bier, Leute, Bier gab es auch.
Nachdem am Donnerstag bereits im Bad Doberaner Kamptheater Fritz Rau und Jürgen Schwab einen Multimedia Vortrag, und einen Tag zuvor die Amerikaner Bogus Pomp samt Napoleon Murphy Brock in der Hamburger St. Katharinen Kirche ein Konzert für die Orgel des Hauses gehalten hatten (welche restauriert werden muss und einst schon dem alten Meister Johann Sebastian Bach beeindruckende Worte abrang) nun, begann das Festival am Freitag auf der Galopprennbahn mit tollen Konzerten.
Ein jeder von Euch hat das diesjährige Programm (wie alle vorherigen) natürlich in Gold gerahmt im Wohnzimmer zu hängen, weshalb mir Vollständigkeit in der Bandaufzählung erspart bleibt. Die Highlights, ganz aus meiner subjektiven Sicht, müssen genannt sein.
Nachher waren einige Festivalbesucher so von der Performance beeindruckt, dass sie benommen durch die Landschaft torkelten, während in ihrem Kopf die Begeisterung alle körperliche Energie aufsaugte (und das hatte natürlich nichts mit Bier zu tun!).
Samstag standen Panzerballett nach dem Frühstück auf der Bühne. Um 12 Uhr. Viel zu früh! Aber die Jungs wussten das Publikum zu wecken und zu bannen. Jan Zehrfeld und sein kongenialer Gitarristenkollege Martin Mayrhofer wussten nicht nur vertrackt-abgekrasste Melodien ins Volk zu schleudern, sie konnten sich auf ihre exzellente Crew verlassen, die das melodische Geschehen mit dem Rhythmushäcksler zu kompliziert gebrochenen Happen aufbrach und sich einen Jux daraus machte, in enormer handwerklicher Qualität, diese Komplexmetastasen dynamisch und mit Verve ins Publikum zu donnern. Welch eine Freude!
Es ging weiter. Alamaailman Vasarat boten ein weiteres brillantes Set, schier wahnsinnig waren die Jungs da auf der Bühne, die mit Pump Organ und besessenen Bläsern ganze Horden finnischer Trollmusik á la Polka auf die Bühne und in die Ohren des Publikums gossen. Die Ungarn Zappa Circus gaben ein begnadetes Zappa-Statement ab (und sie waren nicht die einzigen an diesem Tag!), spät spielten die Paul Green Kids Yes, das es eine Freude war. Himmel, was für ein Tag. Dass jedoch die Finnen so böse saufen können, schlug mir am nächsten Morgen wie ein Hammer ins knöcherne Gebälk…
Nach dem Frühstück ging es dann aber wieder. Musste auch, denn die nächsten Finnen, auch noch nachttrunken, gaben ihre Show. Uzva machen Jazzrock folkloristisch, kein Song ist kürzer als 15 Minuten, Bläser, Geige, Gitarren, Schlagzeug und Marimba (Olé!) machten um schon 11 Uhr hinreißend genialen Eindruck. Wunderbares Konzert einer begnadeten Band, ich liebe sie!
Sodann war das Hagenprojekt Jazzhunde auf der Bühne, gar nicht verkleidet als Hausfrauen, Rockstars und Mönche drapiert, und luden energische Songs in die Meute ab. Gut, nicht weniger.
Ach ja, zwischendurch gab es wieder ein Zappa-Quiz samt spätsonntäglicher Preisverleihung und Konzerte auf der kleinen Bühne, wo nicht minder begabte Avantgarde-Metal-Bands Krach und Wildheit versuchten. Einige waren sehr gut darin, andere, ähm, noch nicht. Insgesamt war die Doppelbeschallung ganz schön heavy, so dass es Rückziehungspunkte brauchte, um mit Stille Aufmerksamkeit für das kommende Set zu tanken.
Fast war es schon wieder vorbei, das übliche Goodbye als Sessiondrängeln auf der großen Bühne drückte auf die Emotionsdrüse und hob die Atmosphäre noch einmal groß an, da ging es doch tatsächlich weiter! Auf der kleinen Bühne, davon weiß ich jedoch nichts zu berichten, weil ich da schon schlieffffffffffff…………………………
PS: Urmutter und Zappanale-Erfinder PG war anwesend, wenn lustiger Weise etliche Mitarbeiter, nach ihm befragt, auch nicht wussten, wer er sei!
Danke Sale und Charly
VM
Kreativdurchströmtes Heißgetränk
So glich die noch immer kaum vorhandene Liegewiese einem Schotterstrand, auf dem sich Musikfanatiker aller Generationen, Herkünfte und Haarlängen tummelten. Manche lauschten entspannt, andere mehr aktiv (im Sinne von: Extremitäten schütteln) der Musik. Und welch einer! Musik gegart in einem monströsen Sudkessel. Ein Gebräu aus gottgeschenkter Genialität, musikalischem Herzblut und einer makellosen Leidenschaft für obskure Melodien. Manche Musiker schienen in jenem Trunk geradezu gebadet zu haben und kitzelten aus den Zuhörenden wahre Begeisterungsrufe. Wenige andere hingegen kosteten wohl nur vorsichtig, was einem großen Applaus jedoch keinen Abbruch tat. Doch meiner Meinung nach hat die 19. Zappanale einen ordentlich guten Schuss dieses kreativdurchströmten Heißgetränks unter Geheimrezeptverschluss abbekommen.
Ähnlich dem Szenario vor der Hauptbühne war ein solcher Tumult auch vor einer Bühne für weniger erprobte, doch oftmals nicht minder talentierte Jungmusiker zu beobachten.
Kaum hatte sich erfülltes Schweigen nach einem gelungenen Auftritt der "Altrocker" über den Platz gelegt, als sich auch schon wieder die nächsten erquickenden Klänge von dem gegenüberliegenden Musikplateau vernehmen ließen. Für den einen eine Klangbelastung, für den anderen das Festivalerlebnis überhaupt!
Die diesjährigen Bands waren wieder einmal mit Bedacht gewählt und enttäuschten das heißhungrige Publikum keineswegs.
Doch um auch andere Nationalitäten und ihre mehr als überzeugenden Künste zu beleuchten, sind auch Indukti aus Polen und wieder einmal Paul Green's School of Rock aus Amerika hoch zu loben.
Natürlich darf auch Napoleon Murphy Brock hier nicht unerwähnt bleiben, welcher das Festival mit seiner angenehmen, fast schon traditionsgemäßen Anwesenheit beehrte und es sich nicht nehmen ließ, mit seinem leuchtenden Talent so nah wie möglich an Frank Zappas Klänge heranzukommen.
Und das ist das Schöne an der Zappanale. Keine bodyguardumtummelten Highsociety-Stars, sondern Menschen aus Fleisch und Blut, denen beim Klang von guter Musik auch ein Haufen Adrenalin ins Blut geschüttet wird. Sie werden ebenso zu Festivalbesuchern, indem sie nach ihrem Auftritt durch die Reihen vor der Bühne schlendern, um nicht nur selbst Verzückung unter den Gästen zu sähen, sondern auch von den Früchten der anderen Musiker zu kosten.
Und so oder so ähnlich hoffe ich auch wieder nächstens Jahr die Zappanale vorzufinden.
Ach und, liebe Festivalmuffel, lasst euch was gesagt sein:
Musik zu hause… eine wundervolle technische Errungenschaft, sie ist ohne Zweifel hoch zu loben! Doch wenn ihr den wummernden Bass wie euren eigenen Herzschlag spürt wisst ihr: hier spielt die Musik!
ALAM







