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Orchestre Tout Puissant Marcel Duchamp XXL (CH)

Orchestre Tout Puissant Marcel Duchamp XXL (CH)

Meine englischen Freunde nennen sie die-Band-mit-dem-Namen-den-ich-mir-nie-merken-kann und ich gebe zu, dass er ziemlich unaussprechlich ist. Aber, Orchestre Tout Puissant Marcel Duchamp (grob übersetzt: „Das allmächtige Orchester Marcel Duchamp“) ist ein Name mit Programm. Nicht nur, dass er einen Bezug zu den wohl mythischsten Bands West-Afrikas herstellt (Orchestre Tout Puissant Konono n°1, Orchestre Tout Puissant Polyrytmo etc. etc.), er verweist auch auf einen der explosivsten Künstler des 20. Jahrhunderts (und natürlich erweckt „allmächtig“ eine ganze Reihe von Assoziationen, abgesehen von Afrikanischen Bands).

Es begann als „One Night Stand“ in Genfs eklektischem und experimentellem Club „Cave 12“ mit Vincent Bertholet (bass) als Chef des Ganzen. Bevor sich das Einmal-Kollektiv zu einer ausgewachsenen Band entwickelte, ging jedoch viel Zeit ins Land und es bedurfte diverser Umbesetzungen. Die Zutaten waren jedoch von Anfang an da: die Kräfte der freien Unordnung, das pulverisierte Alphabet des Rock'n'Roll, die Wissenschaft der zeitgenössischen Musik, die Unverschämtheit des Punk, die spekulativen Phantasien der intellektuellen Musik und unvergessene Facetten der populären Musik.

Maël Saletes' markante und stolpernde Gitarrenlinien führen einen hypnotischen Dialog mit Vincent Bertholets obstinaten Kontrabass-Riffs. Der melodische Kontrapunkt von Aïda Diops Marimba, mal voluminös und tanzbar, mal mehr pointillistisch, und Mathias Forges Posaune, grooven makellos über dem Schlagzeug von Wilf Plum (von den legendären Dog Faced Hermans, die einen starken Einfluss auf OTPMD haben), dessen Spiel einen Groove von Seelenschauer und Rhythm 'n' Blues-Synkopen hinlegt. Nicht zu vergessen, der majestätische Gesang von Liz Moscarola (Violinist und mit Bertholet das einzige übriggebliebene Originalbandmitglied), der die Zuhörer und die Welt verzaubert, als wäre es nichts: eine Stimme mit schier unendlich vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten: Maschinengewehrsalven-artiger Sprechgesang, Klangmalerei an den Grenzen der Sprache, Melodien, die sich mit einer süßen Bewegung oder gebrochenem Klingeln entfalten. Liz Moscarola ist so amüsant wie bewegend und ihre absolute Natürlichkeit grenzt an Weiße Magie.

Orchestre Tout Puissant präsentiert ROTOROTOR, ein aufregendes drittes Album, produziert von John Parish (P.J Harvey, Eels, Giant Sand, Dominique A…) und aufgenommen von Ali Chant im Toybox Studio in Bristol. ROTOROTOR (eine Verneigung vor Duchamps berühmten Rotoreliefs und seiner Vorliebe für Palindrome) ist ein Manifest der freien und abenteuerlustigen Musik, organisiert in vielseitigen Pop-Songs; verspielt und feurig, glühend, lustig und ungestüm, ohne Zurschaustellung eine Art fragmentierten futuristischen Traditionalismus annehmend, der Festlichkeit und Krieg, Hochzeit Tänze und Kriegsgeschrei kombiniert.

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