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ZAPPANALE EXHIBITION – 50 YEARS OF FREAKING OUT!

ZAPPANALE EXHIBITION – 50 YEARS OF FREAKING OUT!

Flipp einfach aus und lass es raus! – 50 Jahre Freak Out!

Das war mehr als nur ein Aufschrei, als Frank Zappa vor 50 Jahren den prüden und bereits von den Hippies angewiderten Amerikanern die Freak Out! Scheiben um die Ohren knallte. „Damit hätten sie uns nicht quälen müssen!“ erregte sich Bob Levinson in seiner Rezension im Los Angeles Herald Examiner direkt nach Erscheinen des Albums über die „Gesangsgruppe“ Mothers Of Invention. Und weiter: „Diese `Mütter´ haben zwei Schallplatten und eine Plattenhülle unbeschreiblich schlechten Geschmacks mit 80 Minuten Müll verschwendet.“

Im Juli 1966 klärte Loraine Alterman die Leser des Free Press Teen Writer über die ungeheuerlichen Neuigkeiten in der Musikszene auf: „Mütter und Väter, Ihr dachtet, die Beatles sind übel. Ihr seid in Aufruhr wegen der Rolling Stones. Sonny & Cher haben Euch zusammenzucken lassen. Lassen Sie es mich so ausdrücken: So etwas habt Ihr noch nicht gesehen. Die Mothers Of Invention sind da, mit einem Album namens Freak Out! (man sagt, es hätte besser Flake Out! (Werde Ohnmächtig!) heißen sollen).“

Niemals zuvor sprach jemand so unverblümt über Pubertät, stellte Liebe in Frage, kritisierte mittels scharfer Politsatire den American Way Of Life, provozierte mit Verbalattacken die inzwischen bereits fest etablierte Hippieszene oder, was vielleicht zu der damaligen Zeit der Großangriff auf das amerikanische Establishment schlechthin war: die Konfrontation der US-Amerikaner mit ihrer Rassendiskriminierung, insbesondere der Umgang der Medien mit diesem Thema.

Auch wenn Präsident Lyndon B. Johnson sehr engagiert den Afroamerikanern zu mehr Chancengleichheit verhelfen wollte, kam das bei der Bevölkerung noch lange nicht an. Die Rassenunruhen vom 11. August 1965, bei denen über 30 Menschen starben, verarbeitete Zappa in dem Stück „Trouble Every Day“. Den inhaltlichen Schwerpunkt in diesem Titel legte Zappa auf die Manipulationen der Medien mit all ihren gezielten Fehlinformationen.

Klar, dass sich damals kein amerikanischer Radiosender wagte, Titel dieses Machwerks zu spielen. Heute weiß man (auch in den Staaten!), dass Freak Out! im Jahr 1966 eine Revolution der Musikgeschichte und den kritischen Umgang mit dem amerikanischen System einläutete.

Die Ausstellung im Rahmen der Zappanale #27 erinnert an das Erscheinen dieses ersten Werks von Frank Zappa mit den Mothers Of Invention vor genau 50 Jahren. Bis heute erschienen über siebzig zum Teil sehr unterschiedliche Versionen auf Vinyl und CD von Freak Out!

Kam Freak Out! in den Staaten und Canada als erste Rock-Doppel-LP der Welt auf den Markt, mussten sich die Europäer erst ein Jahr später bis 1971 mit einer Einzel-LP-Version begnügen. Erst in diesem Jahr erschien in England das vollständige Werk als Doppel-LP mit den hier bis dahin unbekannten Titeln „Go Cry on Somebody Else’s Shoulder“, „How Could I Be Such a Fool?“ und „Any Way the Wind Blows“. Und „Trouble Every Day“ konnte erstmals in voller Länge gehört werden.

Nicht unmittelbar in ihrer Kritik betroffen, waren die Aussagen der europäischen Kritiker wesentlich differenzierter, setzten sie sich doch nicht nur mit den Texten, sondern mehr mit dem musikalischen Material auseinander. Urban Gwerder bemerkte, dass Freak Out! die ganze Rock-Kultur und zeitgenössische Musik einschneidend umkrempelt. Carl-Ludwig Reichert stellte fest, dass das Album einen nicht hoch genug einzuschätzenden Beitrag zur subjektiven Befreiung von in den Zwängen westlicher Kulturen gefangenen Jugendlichen beiderlei Geschlechts leistet.

In den Ausstellungsräumen am Markt 3 in Bad Doberan werden alle Versionen vorgestellt, eingebunden in Hintergrundinformationen, einen Vortrag von Frank Wonneberg, einem Auftritt der Original Mothers Musiker Don Preston und Bunk Gardner sowie Bild-, Ton- und Videopräsentationen. Auch bietet die kleinste Zappanalebühne ein Live-Programm mit Inventionis Mater und der Band Z.E.R.O.

Wie immer ist der Eintritt frei. Die Ausstellungsräume sind geöffnet:
Mittwoch: Eröffnungsparty von 14:00 bis 17:00 Uhr
Donnerstag bis Sonntag: 10:00 bis 14:00 Uhr

Programm:

Freitag, 15. Juli 2016
11:00 -12:00 Z.E.R.O

Samstag,  16. Juli 2016
11:00 -12:00 Don & Bunk

Sonntag, 17. Juli 2016
11:00 -12:00 Inventionis Mater
12:00 -13:00 Frank Wonneberg

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© Zappanale Festival 2017